Börse

Neue Hochtechnologiebörse in Deutschland
Warum wir die Diskussion am Leben erhalten sollten

Viele Gründer und Investoren staunten nicht schlecht, als die FDP und mit ihr der Bundeswirtschaftsminister Dr. Philipp Rösler am 22. September endgültig aus dem Bundestag ausschieden. So kontrovers er auf der einen Seite diskutiert wurde, so hoffnungsvoll blickten viele Branchenkenner auf seine Impulse für die Gründerszene in Deutschland. Doch unabhängig von diesem Ereignis sollte sich die Startup-Szene in Deutschland die von ihm angestoßene Diskussion um den sogenannten „neuen Neuen Markt“ erhalten. Durch eine Hochtechnologiebörse könnte das Investieren in Startups „Made in Germany“ attraktiver für inländische und ausländische Investoren gestaltet werden, die Startup-Szene weiter belebt und so viele qualifizierte neue Jobs in Deutschland geschaffen werden.

Neuer Markt – Alte Idee?

Neuer Markt – ein Begriff, der in den letzten Wochen wie ein Beben durch das Netz zog und noch heute viele Anleger das Fürchten lehrt. Zu präsent sind die Erinnerungen an maßlose Spekulationen und eine Blase, die vehement geplatzt ist.

Der deutsche Wirtschaftsminister und Vizekanzler selbst war es dann, der das Thema einer Technologiebörse, eine tot geglaubte Idee, wieder zum Leben erweckt hat. Kaum ein Politiker in Deutschland hatte sich in den vergangen Jahren öffentlich so stark für die Startups in Deutschland gemacht. So ist er sogar ins Silicon Valley gereist, um die Verbindung zur Berliner „Silicon Allee“ zu stärken, Expertenmeinungen einzuholen und an der Seite Peter Thiels das nächste „Gründungszeitalter“ für Deutschland auszurufen.

Doch die Kritiker haben nicht lange auf sich warten lassen. Es bedürfe keines neuen Börsensegments, da es bereits etablierte Börsen, Exitmöglichkeiten und Modelle wie Crowdfunding gebe. Ein Börsensegment könne auch immer wieder die Gefahr zu hoher Erwartungshaltungen und niedriger Transparenzstandards mit sich bringen. Die Grundlagen für die nächste Spekulationsblase wären geschaffen.

Die Entwicklung von Crowdinvestment in Deutschland ist bisher tatsächlich sehr positiv. Immer mehr Menschen interessieren sich für Startups aus Deutschland und wollen teilhaben an den Erfolgsgeschichten „Made in Germany“. Crowdfunding bietet momentan diese Möglichkeit und schließt somit angeblich die Lücke zwischen Risikokapital und Börse, wenn es diese passend für Startups gäbe.

„Natürlich sollte man bei der Konzeption einer neuen deutschen Technologiebörse alle Learnings aus den Fehlschlägen des Neuen Marktes beachten, insb. eine Sanktionierung von Insider Trading und Lock-up-Verletzungen vornehmen und eine stärkere Rolle und bessere Qualität von Analysten/Research anstreben und möglichst auch ausgewogenes Verhältnis von etablieren Startups zu jungen Startups ähnlich der Nasdaq, damit mangels Anwendbarkeit von Bewertungsmethoden keine extremen Übertreibungen auftreten. Was viele inzwischen verwechseln - der Neue Markt war ja nicht an „der Blase“ oder ihrem Platzen schuld; sie ist an allen Märkten der westlichen Welt aufgetreten und geplatzt. Und die größten absoluten Vermögensvernichtungen haben nicht am Neuen Markt stattgefunden, sondern bei in anderen Börsensegmenten gehandelten Unternehmen wie der deutschen Telekom.“ Christoph Gerlinger (Vorstand German Startups Group)

Investieren in Startups – Eine neue Technologiebörse für disruptive skalierbare Geschäftsmodelle als Chance für Startups und Investoren

Doch eine Technologiebörse würde auch weitreichende Vorteile mit sich bringen. Ob Seed Investment über Business Angels, Early Stage Investments über Venture Capital, Crowdfunding oder Crowdinvestment, IPO über Plattformen wie Bergfürst; die Bandbreite zur Kapitalbeschaffung ist groß in Deutschland. Doch eine Technologiebörse wie die Nasdaq in den USA, gibt es in Deutschland nicht.

„Eine deutsche Technologiebörse, also ein Hightech-themenfokussiertes Segment (Stichworte Disruption, Scalability, German Engineering) mit scharfem Chance/Risiko-Profil und dazu passenden Regeln wäre sehr nützlich. Aus Sicht der Startups als Exit-Channel, der die Finanzierung rückwirkend über ihren gesamten Lebenszyklus ab der Gründung vereinfacht und aus Sicht der Anleger, damit sie wissen, dass es bei den dort gehandelten Werten besonders hohe Chancen und Risiken gibt. Das Gute ist – man kann nur 100 % verlieren, aber viel mehr gewinnen." Christoph Gerlinger (Vorstand German Startups Group)

Zielgruppe sollten institutionelle Investoren und interessierte, informierte Privatanleger aus dem In- und Ausland werden. Der vereinfachte Exitkanal für Startups würde Venture Capital Investoren wie die German Startups Group womöglich zu höheren und frequentierten Investments motivieren. Denn wie es auch die meisten Kritiker nannten: Es mangelt in Deutschland kaum am Geld, es mangelt an der Partizipation. Eine deutsche Nasdaq würde der Branche aller Wahrscheinlichkeit nach gleichzeitig neues Kapital zur Verfügung stellen und die Bekanntheit und internationalen Entwicklungschancen deutscher Startups stärken.

Die German Startups Group spricht sich für eine neue Technologiebörse aus

Die Branche hat sich entwickelt, ist aus den Kinderschuhen gewachsen und reifer geworden. Deshalb ist der Vorstand der German Startups Group, Christoph Gerlinger, von neuen Ideen zur Schaffung eines spezialisierten Börsensegments angetan:

„Ein leistungsfähiger Exit-Channel via IPO ist das Wesentliche, was die Silicon Allee genannte deutsche Startup-Szene noch von ihrem großen Vorbild, dem Silicon Valley, trennt.“

Man sollte der neuen Idee einer Technologiebörse unvoreingenommen entgegentreten und die begonnene Diskussion der letzten Wochen fortsetzen. Die Bedeutung privater Investoren für die Startups-Szene in Deutschland und die der Startup-Szene für die deutsche Wirtschaftskraft wird in den kommenden Jahren noch stark zunehmen. Mittlerweile nimmt die Idee auch wieder Fahrt auf und der konkrete Start einer Technologiebörse vor Ostern 2014 wird ins Auge gefasst. Gerlinger fasst die Erfolgsfaktoren dafür wie folgt zusammen:

Entscheidend ist am Ende die Frage, wie man Investoren für eine solche neue deutsche Technologiebörse begeistert und diese ähnlich der Nasdaq nachhaltig in der Börsenlandschaft verankert - wohl mit hohen Renditechancen, hoher Handelsliquidität, hoher Transparenz und einem gewissen Level an Abweichungen von den fairen Bewertungen, die ihnen die Möglichkeit geben, durch eingehende Beschäftigung mit den notierten Unternehmen Unterbewertungen zu erkennen und eine Outperformance zu erzielen.Christoph Gerlinger (Vorstand German Startups Group)

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